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Allgemeines:

Jedes Auge liefert dem Gehirn ein Abbild der gesehenen Realität. 6 äußere Augenmuskeln lassen sowohl gegensinnige Bewegungen beim Lesen wie auch gleichgerichtete Bewegungen beim Sehen in eine Richtung zu. Die Bilder beider Augen müssen recht ähnlich sein, um zu einem Bild verschmolzen zu werden, das dann einen räumlichen Seheindruck vermittelt (normales Stereo- oder räumliches Sehen). Hier basierende Probleme führen zu den unterschiedlichsten Sehbeschwerden. Größen- und Kontrastunterschiede sind Folge größerer optischer Unterschiede oder von Augen- und/oder Muskelerkrankungen. Schwankende Bilder bis zum Doppelt Sehen resultieren häufig aus einem gestörten Muskelgleichgewicht. Hier können Spezialgläser, die auf den muskulären Apparat Einfluß nehmen oder Kontaktlinsen, die die Bildgrößen wieder einander angleichen, Abhilfe schaffen. 

Entdeckt man das Schielen bei Kindern früh genug, ist oft das Abdecken des besseren Auges die einzige wirksame Möglichkeit, das andere Auge vor der Inaktivität und damit einer Sehschwäche zu retten! Nur eine sehr differenzierte Untersuchung wird hier Ursachen und Therapieansätze aufzeigen können. Die diagnostischen Möglichkeiten einer Schielabteilung nutzen zu können, kann hier sehr vorteilhaft sein. 

Kindliches Schielen:

Neugeborene sehen fast nichts! Das Auge ist funktionstüchtig, aber das Zusammenspiel mit dem Gehirn will erst geübt werden! Die wichtigste Zeit für den Lernprozeß des Sehens sind die ersten 2 Lebensjahre. 60-85 % der "Reifung" haben bis dahin stattgefunden. - Oder auch nicht. Steigt ein Auge während des Lernprozesses z.B. durch "Unlust am Sehen" aus, so bleibt es auf der erreichten Entwicklungsstufe stehen! Je früher der Ausstieg, desto schwächer das spätere Sehen. Das Zusammenspiel der Augen wird nach dem 5.-7. Lebensmonat deutlich besser und stabiler. Allmählich entwickelt sich das Stereosehen.

Hier sehen Sie eine Sehtafel, wie sie zur Bestimmung der Sehstärke von Kindern benutzt wird. 


Schwierigkeiten:

Die Untersuchung der Kleinen ist oft nicht ganz leicht, weil sie Angst haben und keine Angaben zum Sehen machen können. Deswegen kann auch der Augenarzt auf eine gute Kooperation mit den Eltern nicht verzichten. Denn die Eltern müssen mit dem Kind kommen, einiges an Belastungen ertragen, darüber hinaus das Kind motivieren, manchmal ablenken, trösten und dann auch noch die Anweisungen des Arztes gegen den Willen des Kindes durchsetzen! Oft ist das gar nicht so leicht. Aber auch nicht immer ist es sehr schwer, denn ein Besuch beim Augenarzt kann recht spannend sein! Schließlich gibt es eine Menge an Dinge zu sehen, die vielleicht nicht leicht zu verstehen aber auch für einen kleinen "Hanswurst" recht faszinierend sein dürften.  

Risiken:

Am Leichtesten lassen sich Kinder zwischen 1 und 2 Jahren untersuchen. Sie haben ein gewisses Grundinteresse an neuen Dingen entwickelt und sind andererseits noch nicht unbedingt in der Fremdelphase. Zu dieser Zeit sollten besonders die Eltern ihre Kinder in die Praxis bringen, bei denen ein familiäres Schielrisiko besteht (Schwachsichtigkeiten in der Familie trotz bester Brille, starke Fehlsichtigkeiten oder behandlungsbedürftige Augenerkrankungen). Natürlich kann auch zu einem früheren Zeitpunkt untersucht werden, nur sollte dann entsprechend mehr Zeit einkalkuliert werden. Generell gilt: Konsultieren Sie Ihren Augenarzt sofort wenn Sie Fragen oder Zweifel an einer gesunden Entwicklung der Augen Ihrer Kleinen haben. Ersparen Sie sich das Gefühl der Unsicherheit und delegieren Sie die Verantwortung an den zuständigen Spezialisten. 

Vorsorge oder Kassenleistung?

Der Alltag in der Praxis zeigt, dass viele Kinder zu spät zum Augenarzt gebracht werden. 
Bis zum Ende des 3. Lebensjahres wird das Auge durch Üben ständig besser, ca. 85% der Reifung erfolgt bis zum Ende des 2. Lebensjahres. Oft reift aber leider nur das Führungsauge und das betroffene Kind wird den Eltern davon natürlich nichts sagen, denn erstens kann es sich nicht verständlich machen und zweitens kennt es ja gar kein normales oder anderes Sehen als das eigene, könnte den Mangel also auch gar nicht bemerken.

Auch den Außenstehenden kann nur etwas auffallen, wenn der Augenfehler entsprechend groß ist und somit über die Verunsicherung der Eltern ein Augenarztbesuch veranlaßt wird. Leider viel zu oft überwiegt der Zweckoptimismus (Es wird schon alles bestens sein).

Es wäre sinnvoll, eine allgemein zu empfehlende Vorsorge durchführen zu lassen. Mir ist zum jetzigen Zeitpunkt  (21.11.09) nur aus der Region Brandenburg bekannt, dass diese Vorsorge durch die Kassen  finanziert wird. (ca. 100€) In den anderen Bundesländern ist man über Gespräche nicht hinaus gekommen, Vorsorgen (Amblyopie Prophylaxe) werden für ca 40.- € Eigenleistung angeboten.
Auch aus dieser preislichen Differenz läßt sich die hohe Verpflichtung der Leistungserbringer gegenüber dem Gesundheitswohl der Kleinsten ablesen.



 

° ° °  O p t i s c h e    F e h l e r  ° ° °                                              


Kurzsichtigkeit (Myopie):

Die optische Brechkraft des Auges ist zu hoch; bzw. das Auge ist zu lang (normal ca. 22 mm). Im entspannten Zustand liegt der beste Sehbereich in der Nähe, je weiter ein Gegenstand entfernt wird, um so schlechter ist er zu erkennen. Die Beschwerden verstärken sich in der Dämmerung und im Dunkeln. Abhilfe schaffen Gläser, die die optische Brechungskraft des Auges verringern, sog. Minuskonvex- oder Zerstreuungsgläser.



Das Pendant - Die Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Die optische Brechkraft des Auges ist zu gering, bzw. das Auge ist zu kurz. Im entspannten Zustand liegt der beste Sehbereich "hinter" der Ferne, je weiter ein Gegenstand entfernt wird, um so besser ist er zu erkennen.

Das Auge besitzt die Fähigkeit, diesen optischen Fehler auszugleichen (Akkommodation). Diese unwillkürliche Brechkraftverstärkung des Auges ermöglicht so auch das Sehen im Nahbereich oder Lesen. Daraus folgt, dass die ersten Sehbeschwerden eines Weitsichtigen beim Lesen auftreten werden.

Die Behandlung der Weitsichtigkeit erfordert also eine Brille, die dem Auge die Scharfeinstellung auf die Ferne erleichtert (Plus-, Konkav- oder Sammelgläser). Der Betroffene spürt zwar hauptsächlich Vorteile im Nahbereich; die Ferne erscheint ihm lediglich ruhiger und entspannter. Die Brille sollte aber ganztags, möglichst jedoch nicht nur zum Lesen getragen werden, weil sonst das Akkommodationsvermögen des Auges durch fehlende Übung verkümmert.



Stabsichtigkeit (Verkrümmung der Hornhaut)

... bezeichnet eine Verkrümmung der Hornhaut. Durch eine unterschiedliche Krümmung der Hornhaut findet eine unterschiedlich starke Brechung statt; die Abbildung wird verzerrt. Ein Punkt wird nicht als solcher, sondern zum Strich verzerrt (Stab) gesehen.

Eine optische Korrektur hat im Idealfall das Ziel, die unterschiedliche Brechkraft der Hornhaut auszugleichen, so dass ihre Oberfläche nicht eiförmig verkrümmt, sonder wieder eher kugelförmig und damit gleichmäßig gekrümmt wäre (zylindrische Gläser oder kurz Zylinder).

Ergebnis: die Verzerrung wird entzerrt. Es resultiert ein in Abhängigkeit von der Höhe der Hornhautverkrümmung unterschiedlich stark verzeichnetes Bild, das der Brillenträger nach kurzer Eingewöhnungszeit meist toleriert.



Alterssichtigkeit (Presbyopie)

... bedeutet das Nachlassen der Lesefähigkeit / Akkommodation durch eine normale Volumen-zunahme/Verdickung der Augenlinse im Alter. Die Unzufriedenheit der Betroffenen verstärkt sich bei mangelnder Beleuchtung und geringem Leseabstand. Seltenere Ursachen sind Krankheiten oder eine unerkannte Weitsichtigkeit.

Die Stärke der Korrekturgläser richtet sich nach den Arbeitsabständen und dem Alter. O.g. Fehlsichtigkeiten müssen entsprechend berücksichtigt werden.

Die altersbedingten Veränderungen des Auges sind zwar durch Gläser korrigierbar, doch sie können weitere, sehr ernste Veränderungen im Auge nach sich ziehen oder durch solche begründet sein. Die Frühformen solcher Veränderungen bemerkt der Patient in aller Regel nicht!

Deswegen ist eine augenärztliche Kontrolluntersuchung zum Zeitpunkt der eingeschränkten Lesefähigkeit unumgänglich und die empfohlene Vorsorge ab dem 40. Lebensjahr im Interesse jedes Einzelnen!

In Kenntnis der Gefahr unbemerkt auftretender Augenerkrankungen rät der Berufsverband der Augenärzte vom Kauf sog. Kaufhaus-, oder Billigbrillen ohne augenärztliche Untersuchung dringend ab.

Leider wird dieser Erkenntnisstand weder von den Kassen noch durch die Medien publiziert. Auch bei Augenoptikern ist es nicht die Regel, daß das Interesse über die Brille hinaus bis zum Auge reicht. 

Vorsorgende Checks beim Augenarzt geben Ihnen diese Risikosicherheit. Die Kosten liegen je nach Aufwändigkeit  und Untersuchungsumfang bei monatlichen Zuzahlungen von 1,5 - 5 Euro, einem Bruchteil der Brillenkosten.