G r ü n e r   S t a r   ( G l a u k o m )   .   .   . 

 

Allgemeines zum Glaukom

Das Wichtigste vorab:  Wenn Sie ein Glaukom haben sollten, verspüren Sie anfangs nur in seltenen Ausnahmen Beschwerden! Denn das Auge ist nicht zur Beobachtung seiner selbst da. Es soll Ihnen "nur" möglichst komplex Ihre Umweltsituation darstellen. Und so werden Krankheiten des Auges durch eine ausgeklügelte Art der anschließenden Bildverarbeitung im Gehirn ausgeglichen. Unter dem Aspekt , dass  der Mensch einmal für 30-40 Jahre Lebenszeit "konzipiert" wurde, mag das ausreichend erscheinen. Heute sind 40 Jahre kein Alter und die in jetziger Zeit Gebohrenen haben eine über 50 %ige Wahrscheinlichkeit, älter als 100 zu werden (ge- oder ungewollt).

                     

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Man kann es auch anders sagen: Der Grüne Star führt, vom Betroffenen unbemerkt und ohne Schmerzen, unweigerlich zur Zerstörung der Sehnerven. Erst wenn die Verbindung zum Gehirn, also das Sehvermögen in großen Teilen des Gesichtsfeldes nicht mehr vorhanden ist, merkt der Patient, dass mit seinen Augen etwas nicht in Ordnung ist. Die bis dahin zerstörten Nervenfasern sind für immer verloren! Deswegen ist das Glaukom zu einer Gefahr geworden.

Denn was nützt die Medizin, wenn Sie zu spät angewandt wird?

Das Glaukom ist eine der häufigsten vermeidbaren Erblindungsursachen in der industrialisierten Welt.

In Deutschland haben etwa drei Millionen Menschen einen zu hohen Augeninnendruck ( eine mögliche Vorstufe des Glaukoms), und rund 800.000 Menschen  sind an einem Glaukom erkrankt, wiederum etwa 20% davon, also mehr als 160 000, befinden sich im Spätstadium der Erkrankung. Ungefähr jeder 10. Glaukompatient muss derzeit mit einer Erblindung im Sinne des Sozialgesetzbuches rechnen. (Meist handelt es sich hierbei um verschleppte, bzw. erst im Spätstadium der Erkrankung diagnostizierte Glaukome.)

Risiken

  • Lebensgewohnheiten, Beruf und Ernährung haben nach heutiger Kenntnis keinen unmittelbaren Einfluss auf die Entstehung eines Glaukoms, wohl aber auf dessen Verlauf.

Die Häufigkeit des Glaukoms steigt mit zunehmendem Lebensalter. Es tritt einschließlich seiner Vorstufen bei gut 2,4% aller Personen ab dem 40. Lebensjahr auf.  Jenseits des 75.  Lebensjahres liegt die Häufigkeit bereits zwischen 7% und 8%.

  • Das Lebensalter steht unter den allgemeinen Risikofaktoren also an erster Stelle.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • verdächtiger Sehnervenkopf
  • erhöhte Augeninnendruck Werte
  • verdünnte Hornhäute
  • Familiäre Glaukombelastung in der Verwandtschaft ersten Grades
  • Zugehörigkeit zur afrikanischen Rasse bzw. sehr hoher Pigmentierungsgrad der Augen 
  • Höhere Kurzsichtigkeiten
  • Erkrankungen des Blutes und seiner Zusammensetzung - spez. Diab. mell. u. des Herz/Kreislauf Systems

Zuckerkranke haben ein erhöhtes Glaukomrisiko; besonders dann, wenn ihre Augen bereits krankhafte diabetische Veränderungen aufweisen, die dann ein Sekundärglaukom bewirken können (siehe nächstes Kapitel). 

Ungünstige Durchblutungsverhältnisse z.B. bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (u.a. Hypertonus, Arrhythmie und den Komplikationen wie Thrombose, Schlaganfall) des Stoffwechsels (u.a. Zucker, Hormone, Fett/Cholesterin) und bestimmten Beschwerdekomplexen wie Kopfschmerzen/Migräne, kalten Extremitäten, Ohrgeräuschen, Schwindel  und Sehstörungen, begünstigen das Auftreten des Glaukoms im Alter. 

Auch durch den längeren Gebrauch von Medikamenten können nachhaltige Augenfunktionsstörungen auftreten. Ein hohes Störpotential wird z.B. Prednisonpräparaten und Chlorochin (Mac.degen.) bescheinigt, andere Medikamente wie Antiarrhythmika oder solche zur Blutverdünnung haben ein geringeres, noch andere Medikamentengruppen ein fast zu vernachlässigendes Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen am Auge.

In Abhängigkeit von der Nebenwirkungswahrscheinlichkeit wird Ihnen Ihr Hausarzt einen Augenarztbesuch empfehlen.

EMPFEHLUNG: Patienten, die Familienangehörihe 1. Grades mit einer Glaukomerkrankung besitzen, die deutlich kurzsichtig sind, die an der Zuckererkrankung oder anderen systematischen Erkrankungen leiden, die eine Stereoidtherapie erfordern, sollten sich unabhängig vom Alter durch den Augenarzt auf ein Glaukom hin untersuchen lassen.

Der Schädigungsmechanismus beim Grünen Star

Der Grüne Star wird auch als "Glaukom" bezeichnet. Es handelt sich um eine ausgesprochen heimtückische und hinterhältige Erkrankung, denn nur in den seltensten Fällen  (ca. 2% der Betroffenen) kann die Erkrankung in einem relativ frühen Erkrankungsstadium durch eigene Beschwerden entdeckt werden.

Die äußere Gestalt des Auges entspricht einem Apfel oder einer Kugel. Um diese Form aufrecht zu erhalten, ist ähnlich einem aufgeblasenem Luftballon, ein Überdruck im Augeninnern erforderlich. Dieser Druck wird Augeninnendruck genannt. Ist er zu hoch, werden einerseits die lichtempfindlichen Sinneszellen und deren Verbindungen zusammengedrückt, andererseits wird der Einstrom von Blut in das Auge - und damit lebensnotwendigen Nährstoffen - behindert.

Die ca. 50 Mio. sehr empfindlicher Nervenzellen und ca. 1,3 Mio. Nervenfasern benötigen Nährstoffe. Unter schlechten Lebensbedingungen verkümmern und sterben die Nervenmfasern , die das Auge mit dem Gehirn verbinden, dann ab.

Geschädigte Fasern können sich wieder erholen, tote Fasern nicht! Dieser Prozess ist schmerzlos! Im Gehirn erfolgende "Bildaufbereitungsprozesse" verhindern lange, dass der Betroffene das Absterben bemerkt.

Normalerweise verliert der Patient ca. 0,4 % reiner Nervenfasern pro Jahr, de Glaukomkranke verliert 4-8 % pro Jahr.

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Welche Rolle spielt der Augeninnendruck bei dieser Erkrankung?

Eine wichtige, aber nicht eine alles entscheidende Rolle. Deswegen ist die Frage nach dem "normalen Augeninnendruck" auch nicht zu beantworten. Entscheidend ist, welchen DRuck Ihr Auge verträgt, und das ist eine Frage Ihrer Durchblutungsverhältnisse. Sind die schlecht, genügt ein recht geringer Druck (Glaukom ohne Hochdruck). Sind sie gut, halten die Zellen auch höhere Drücke unbeschadet eine Weile aus (oculäre Hypertension = erhöhter Augeninnendruck ohne Glaukom).

Erschwert wird die Beurteilung der Durchblutungssituation durch ein kompliziertes Regelsystem am Auge selbst. Dieses als Selbstregulation bezeichnete Phänomen verhindert Blutungen im Auge bei hohen Blutdrücken (z.B. Leistungssport, Hochdruckerkrankung) und andererseits einen erhöhten Bluteinstrom ins Auge bei Blutdruckabfällen (z.B. nächtliche Blutdrucksenkungen, Gefäßverkalkung im Alter).

Behandlungsmöglichkeiten - Was kann man tun?

Salopp gesagt; frühes Erscheinen sichert gute Plätze. Die Behandlung richtet sich auf die Bekämpfung der Ursachen.   1. Drucksenkung,  2. Durchblutungsverbesserung                                                                und reicht so von allgemeinen Formen der gesunden Lebensweise wie ausreichender frischer Luft/Bewegung/Flüssigkeitszufuhr/Ernährung über den Ausschluss bzw. die Behandlung von Stoffwechsel- und Herz/Kreislauferkrankungen bis zur medikamentösen oder sogar operativen Therapie am Auge selbst.

Je früher eine effiziente Therapie einsetzt um so größer  ist die Chance, auch im hohen Alter gut sehen zu können.

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Wie kann ein Glaukom festgestellt werden?

Es gibt sowohl frühe Warnzeichen für das eventuelle Vorliegen eines Glaukoms als auch auffällige Spätschäden durch ein Glaukom, die ein Augenarzt im Rahmen einer Glaukomfrüherkennung bemerken kann. Die alleinige Messung des Augeninnendrucks reicht nicht aus. Ein entsprechender Verdacht erfordert spezielle Untersuchungen zur Abklärung der Behandlungsnotwendigkeit, die dann mit dem Patienten individuell erörtert werden muss.

Kosten für Vorsorgeuntersuchungen

NEU ist die  Zahlungspflicht des Versicherten bei diagnostischen Leistungen im Rahmen der Glaukomfrüherkennung, denn seit dem November 1999 wird diese Untersuchung von den Augenärzten Deutschlands nicht mehr (wie bis dahin) zum Nulltarif erbracht.

So steht nun der Patient in der Entscheidungspflicht, selbst die Kosten zu tragen oder sich gegen diese ärztlich ausdrücklich empfohlene Vorsorgeuntersuchung zu entscheiden.

Ergibt die genaue Untersuchung kein individuell erhöhtes Krankheitsrisiko, empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte (BVA) folgende Vorsorge Intervalle:

  • ab dem 40. Lebensjahr alle 2 Jahre
  • bei Risikofaktoren jährlich
  • ab dem 60. Lebensjahr jährlich.


Denn nur durch die Früherkennung kann dieser Erkrankung der Schrecken genommen werden!

Sollte sich ein Krankheitsverdacht oder sogar eine Behandlungsnotwendigkeit ergeben, werden die Folgekosten von Behandlung und Diagnostik im Rahmen des Leistungsspektrums des Versicherers getragen.